Open Brain — ein Leitfaden für Studierende der Medizin, Zahnmedizin, Psychologie und Wirtschaft. Ohne technischen Hintergrund.
≈ 2–3 h WorkshopMac · WindowsKein ProgrammierenDaten bleiben bei dir
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Wie du diesen Leitfaden benutzt
Einmal lesen, dann arbeitest du dich von oben nach unten durch.
Folge der Reihenfolge. Jeder Schritt baut auf dem vorigen auf. Die Sidebar zeigt dir, wo du bist.
Hak Schritte ab. Unten in jedem Schritt gibt es einen "Erledigt"-Button. Dein Fortschritt wird in deinem Browser gespeichert — pause jederzeit und mach später weiter.
Befehle kopierst du per Klick. Jeder Code-Block hat oben rechts einen "Kopieren"-Button.
Halte deinen Credential-Tracker offen. Das XLSX-Sheet — dort trägst du Keys und URLs ein, sobald du sie hast. 📥 Tracker herunterladen (falls noch nicht vorhanden).
Wenn etwas hakt: Im Workshop kurz nachfragen, oder zur Fehlersuche springen.
🔒 Datenschutz
Dieser Leitfaden speichert deinen Fortschritt nur in deinem Browser (localStorage). Es geht nichts an einen Server. Über "Zurücksetzen" oben löschst du alles.
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Was ist Open Brain — und warum brauchst du das?
5 Min Lesezeit. Hilft dir später zu verstehen, was du eigentlich baust.
Das Problem
Du sammelst ständig Wissen: Notizen aus Vorlesungen, Ideen aus Lerngruppen, Erkenntnisse aus Büchern, Gedanken nach einem Projekttreffen. Aber dieses Wissen landet an hundert verschiedenen Orten — in Notizbüchern, Word-Dateien, Chat-Verläufen, E-Mails, im Kopf.
Drei Monate später suchst du das eine Argument, das dich damals so überzeugt hat. Du weißt noch, dass du es irgendwo aufgeschrieben hast, aber nicht wo.
Die Lösung
Open Brain ist ein persönliches Wissenssystem, das deine Gedanken zerlegt, versteht, speichert und wiederfindet — über Bedeutung, nicht über Stichworte.
Du fragst in natürlicher Sprache: "Was war das Hauptargument im Seminar letzte Woche?" — und bekommst die passenden Gedanken zurück, auch wenn dort kein einziges Suchwort wörtlich vorkommt.
Das Besondere
Deine Daten gehören dir — in deiner eigenen Datenbank.
Jede KI kann darauf zugreifen — Claude, ChatGPT, Cursor — heute und morgen.
Es kostet fast nichts — unter 2 € pro Monat im Betrieb.
Kein Code schreiben — nur Anleitungen folgen.
Worum geht es in diesem Leitfaden?
Im Original-Projekt von Nate B. Jones gibt es mehrere Wege, Gedanken einzuspeisen. Wir nutzen Claude Code als universellen Eingabekanal. Plus einen Skill — eine Textdatei, die Claude beibringt, verschiedene Arten von Notizen ins Open Brain einzupflegen.
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Die technischen Bausteine
Kurz, was unter der Haube läuft — damit du später weißt, warum etwas funktioniert.
Datenbank · Embeddings · Vektorsuche
Eure Supabase-Datenbank speichert jeden Gedanken als Zeile mit drei Hauptspalten:
Spalte
Was drin ist
content
Der Text des Gedankens
embedding
1.536 Zahlen, die die Bedeutung kodieren
metadata
Typ, Personen, Themen — automatisch extrahiert
Das Embedding ist das Herz: Ein KI-Modell verwandelt jeden Text in einen 1.536-dimensionalen Vektor. Texte mit ähnlicher Bedeutung landen nah beieinander in diesem Zahlenraum — auch wenn sie kein gemeinsames Wort haben. pgvector macht den Vergleich blitzschnell.
MCP — die Steckdose für KI
Model Context Protocol ist ein offener Standard (von Anthropic). Er definiert eine einheitliche Schnittstelle, über die jede KI-Anwendung externe Werkzeuge nutzen kann. Euer Open-Brain-Server stellt vier Werkzeuge bereit:
capture_thought
Speichert einen neuen Gedanken
search_thoughts
Durchsucht alle Gedanken nach Bedeutung
list_thoughts
Zeigt die neuesten Gedanken chronologisch
thought_stats
Übersicht über euer Open Brain
Das Zusammenspiel
Datenfluss beim Speichern (Diagramm)
Du tippst in Claude Code: "Speicher das: Entscheidung im Seminar — wir nutzen Design Thinking"
Claude Code erkennt: Capture-Request
MCP sendet den Text an euren Server (Supabase Edge Function)
Server holt parallel: Embedding (Vektor) + Metadaten (Typ, Themen) von OpenRouter
Supabase speichert alles in einer Zeile in thoughts
Claude bestätigt: "Gespeichert. Typ: Entscheidung, Thema: Design Thinking"
Bei der Suche läuft es spiegelverkehrt: deine Frage wird zum Vektor, pgvector findet die ähnlichsten Treffer.
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Voraussetzungs-Check
Schnell durchsehen. Wenn etwas fehlt, jetzt nachholen — vor dem ersten echten Schritt.
Accounts
Supabase — Datenbank (kostenlos)
OpenRouter — KI-Gateway, 5 $ Guthaben aufladen, API Key gespeichert
GitHub — für den Code-Download
Claude Pro — Pro-Abo (20 €/Monat) ist nötig für die MCP-Anbindung in Claude Code
Software
Im Terminal testen, ob alles installiert ist:
node --version
supabase --version
claude --version
Jede Zeile sollte eine Versionsnummer ausgeben. Wenn eine fehlt, klapp unten den passenden Block auf und hol das nach.
🟩 Mac/Linux — Installation nachholen
Node.js von nodejs.org als LTS-Version herunterladen und installieren (Standard-Setup).
Im Setup gleich erzeugt ihr mehrere API-Keys, Passwörter und URLs. Manche davon könnt ihr nach dem Erstellen nie wieder einsehen. Deshalb braucht ihr ein Sheet, in das ihr sie sofort eintragt.
Direkt mit Excel, Numbers oder LibreOffice öffnen — und während des gesamten Setups offen halten.
⚠️ Behandelt die Datei wie ein Passwort-Dokument
Teilt sie nicht. Speichert sie nicht in einer geteilten Cloud. Wenn ihr fertig seid, sichert sie an einem Ort, an dem nur ihr sie wiederfindet (z.B. lokaler Passwortmanager).
Generiere ein starkes Database Password → sofort in den Credential Tracker
Region: Frankfurt (für Deutschland)
Klicke Create new project und warte 1–2 Min
Wichtig
Eure Project Reference findest du in der URL deines Dashboards: supabase.com/dashboard/project/DIESER_TEIL. In den Credential Tracker übertragen.
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Datenbank einrichten
Fünf SQL-Befehle, einer nach dem anderen. ~10 Min.
Sidebar: SQL Editor → New query → einfügen und Run:
create table thoughts (
id uuid default gen_random_uuid() primary key,
content text not null,
embedding vector(1536),
metadata jsonb default '{}'::jsonb,
created_at timestamptz default now(),
updated_at timestamptz default now()
);
create index on thoughts using hnsw (embedding vector_cosine_ops);
create index on thoughts using gin (metadata);
create index on thoughts (created_at desc);
create or replace function update_updated_at()
returns trigger as $$
begin
new.updated_at = now();
return new;
end;
$$ language plpgsql;
create trigger thoughts_updated_at
before update on thoughts
for each row
execute function update_updated_at();
5.3 · Suchfunktion erstellen
Neuer Query → einfügen und ausführen:
create or replace function match_thoughts(
query_embedding vector(1536),
match_threshold float default 0.7,
match_count int default 10,
filter jsonb default '{}'::jsonb
)
returns table (
id uuid,
content text,
metadata jsonb,
similarity float,
created_at timestamptz
)
language plpgsql
as $$
begin
return query
select
t.id, t.content, t.metadata,
1 - (t.embedding <=> query_embedding) as similarity,
t.created_at
from thoughts t
where 1 - (t.embedding <=> query_embedding) > match_threshold
and (filter = '{}'::jsonb or t.metadata @> filter)
order by t.embedding <=> query_embedding
limit match_count;
end;
$$;
5.4 · Sicherheit (Row Level Security)
alter table thoughts enable row level security;
create policy "Service role full access"
on thoughts
for all
using (auth.role() = 'service_role');
5.5 · Zugriffsrechte vergeben
grant select, insert, update, delete on table public.thoughts to service_role;
Pflichtschritt — nicht überspringen
Ohne 5.5 bekommt ihr beim ersten Speichern "permission denied for table thoughts". Bei neueren Supabase-Projekten sind Tabellenrechte nicht mehr automatisch vergeben.
Prüfen
Öffne Table Editor. Die Tabelle thoughts sollte da sein, mit den Spalten id, content, embedding, metadata, created_at, updated_at.
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Zugangsdaten sichern
Drei Werte aus Supabase + OpenRouter in den Tracker. ~5 Min.
Supabase-Keys
Sidebar: Settings (Zahnrad) → API Keys. Aus dem Tab "Publishable and secret API keys":
Project URL — oben auf der Seite
Secret Key — im Bereich "Secret keys", den default-Key kopieren
🔐 Behandelt den Secret Key wie ein Master-Passwort
Wer ihn hat, hat vollen Zugriff auf eure Datenbank. Den "Publishable Key" weiter oben braucht ihr nicht.
OpenRouter Key
Solltest du bei der Vorbereitung schon erstellt haben. Falls nicht: openrouter.ai/keys → Create Key → Name open-brain → sofort in den Tracker.
Access Key generieren
Dein MCP-Server wird öffentlich erreichbar sein. Der Access Key ist sein Türsteher.
openssl rand -hex 32
Erzeugt einen zufälligen 64-Zeichen-Schlüssel. Output in den Tracker unter "MCP Access Key".
Windows-Äquivalent. Output in den Tracker unter "MCP Access Key".
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MCP-Server deployen
Euer Server geht online. Das ist der längste Schritt — ~15 Min.
7.1 · Projektordner anlegen und reingehen
Erstelle einen Ordner open-brain (z.B. auf dem Desktop). Im Terminal:
⚠️ Hattest du schon mal mit Supabase rumprobiert?
Falls in deinem Home-Verzeichnis ein supabase/-Ordner aus einem früheren Versuch existiert, lösche ihn jetzt — sonst hijackt er still und leise dein Setup, und du suchst später stundenlang nach unverständlichen Fehlern.
Output prüfen
Du solltest import "jsr:@supabase/functions-js/edge-runtime.d.ts"; sehen. Wenn dort console.log("Hello from Functions!") steht → der Download hat die Starter-Datei nicht überschrieben. Ordner löschen, neu erstellen, Download wiederholen.
claude mcp add --transport http open-brain https://EURE_PROJECT_REF.supabase.co/functions/v1/open-brain-mcp --header "x-brain-key: EUER_ACCESS_KEY"
Ersetzt die beiden Platzhalter durch eure echten Werte aus dem Tracker.
Was passiert hier?
claude mcp add registriert einen MCP-Server in Claude Code
--transport http — Verbindung über HTTPS
open-brain — der Name, unter dem Claude dein Brain kennt
--header — euer Access Key wird bei jeder Anfrage mitgeschickt
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Erster Test — speichern und suchen
Ist die Verbindung da? Funktioniert es? ~5 Min.
Starte Claude Code:
claude
Test 1 · Statistik abfragen
Tippe im Chat:
Wie viele Gedanken habe ich in meinem Open Brain?
Claude sollte das thought_stats-Werkzeug aufrufen und sagen: 0 Gedanken. Wenn das funktioniert, steht die Verbindung.
Test 2 · Einen Gedanken speichern
Speichere diesen Gedanken: Dies ist mein erster Gedanke im Open Brain — der Workshop hat funktioniert!
Test 3 · Den Gedanken wiederfinden
Suche in meinem Open Brain nach dem Workshop
Wenn der Testgedanke gefunden wird: perfekt. Du hast ein funktionierendes Open Brain.
🎉 Meilenstein
Du hast jetzt das, wofür sich normalerweise IT-Abteilungen mehrere Wochen Zeit nehmen — eine eigene KI-Memory-Infrastruktur. Vor 18 Monaten hätte das einen Vertrag mit Microsoft, Google oder Oracle gebraucht.
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Pflichtblock — DSGVO und Schweigepflicht
Vor dem ersten echten Capture lesen. Drei Minuten, die euch vor strafbarem Verhalten schützen.
Drei der vier Studiengänge in diesem Workshop (Medizin, Zahnmedizin, Psychologie) unterliegen der strafbewehrten Schweigepflicht nach §203 StGB. Bei Wirtschaftsstudierenden gelten in Praktika häufig NDAs.
Die Grundregel
Patientendaten, Klientendaten und identifizierbare geschäftliche Details dürfen nicht ins Open Brain — auch nicht in der Famulatur, im Praktikum, in der psychologischen Übung oder im Werkstudentenjob. Auch dann nicht, wenn das Brain "nur bei euch" liegt. Schweigepflicht heißt: ihr dürft nicht identifizierbare Informationen weitergeben — auch nicht an eine KI, die für euch persönlich arbeitet.
Anonymisierungs-Regel (zum Auswendiglernen)
So ist es OK
So ist es nicht OK
"65j Patient, Hypertonie seit 10 J, neu Schwindel — DD?"
Eigene Erkenntnisse aus dem Fall: "Diagnose-Logik bei Schwindel im höheren Alter — bei mir noch unsicher"
Klinische Muster: "Bei Patienten mit Hypertonie unter ACE-Hemmern fragt der Oberarzt immer nach Reizhusten"
Lehrbuchwissen mit eigener Verknüpfung: "Renin-Angiotensin-System hängt mit der Niere zusammen, die ich letzte Woche in Anatomie hatte"
Drei Fragen, die ihr euch vor jedem klinischen Capture stellt
Könnte jemand mit Zugang zu meinem Brain die Person identifizieren?
Würde ich diesen Satz auch in einem Café laut sagen?
Wäre die Information ohne den Personen-Kontext genauso wertvoll für mein Lernen?
Wenn die Antwort dreimal "ja" ist — speichern. Wenn auch nur einmal nicht — umformulieren oder weglassen.
Im Zweifel: weglassen
Wenn ihr unsicher seid, ob ein Detail noch zur Identifikation ausreicht — lasst es weg. Die Daten sind in Deutschland gesetzlich geschützt; bei Verstößen drohen Strafverfahren, Berufsverbot und zivilrechtliche Schadensersatzforderungen. Das ist keine theoretische Sorge.
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Der Capture-Skill — was und warum
Eine Textdatei, die Claude beibringt, Notizen sauber zu zerlegen. ~3 Min.
Ein Skill ist eine strukturierte Anweisung für Claude Code, gespeichert als Markdown-Datei. Statt Claude jedes Mal zu erklären, wie es eure Notizen verarbeiten soll, tippt ihr /open-brain-capture — und Claude weiß Bescheid.
Skills liegen in einer festen Ordnerstruktur:
~/.claude/skills/
open-brain-capture/
SKILL.md ← die eigentliche Anweisung
brief-on-person/
SKILL.md ← später noch ein zweiter Skill
Jeder Skill hat seinen eigenen Ordner
In dem Ordner liegt eine Datei namens SKILL.md (Großbuchstaben!)
Der Ordnername wird zum Befehl: open-brain-capture → /open-brain-capture
Unter ~/.claude/skills/ gilt der Skill überall — egal aus welchem Ordner du Claude Code startest
Öffne einen Texteditor (Mac: TextEdit; Windows: Notepad). Bei TextEdit erst Format → "In reinen Text umwandeln" (⌘+⇧+T), damit keine Formatierung mitkommt.
Schritt 2 — Den folgenden Inhalt einfügen
---
name: open-brain-capture
description: Verarbeitet Notizen, Gedanken und Protokolle für das Open Brain. Nutze diesen Skill, wenn der Nutzer Inhalte in sein Open Brain einspeichern möchte — egal ob Meeting-Notizen, Brain Dumps, Lesenotizen oder einzelne Gedanken.
argument-hint: "[Notizen einfügen oder Datei angeben]"
---
# Open Brain Capture
## Rolle
Du bist der Eingabe-Assistent für mein Open Brain. Du nimmst Rohinput in beliebigem Format entgegen und zerlegst ihn in einzelne, eigenständige Gedanken, die für die semantische Speicherung optimiert sind.
## Ablauf
### 1. Vorprüfung
Prüfe, ob du Zugriff auf das Tool `capture_thought` hast. Falls nicht, sage: "Ich kann das capture_thought-Werkzeug nicht finden. Stelle sicher, dass dein Open Brain MCP-Server verbunden ist."
### 2. Input-Typ erkennen
Erkenne automatisch, um welche Art von Input es sich handelt:
- **Gesprächsprotokoll / Meeting Notes** — mehrere Teilnehmer, Agenda, Entscheidungen
- **Unstrukturierte Gedanken / Brain Dump** — Ideensammlung, Gedankenstrom, Sprachnotiz
- **Ausformulierter Text / Lesenotizen** — Zusammenfassung, Reaktion auf Gelesenes
- **1:1 / Coaching-Notizen** — Gespräch zwischen zwei Personen
- **Einzelner Gedanke** — ein einzelner, bereits formulierter Gedanke
Falls der Typ unklar ist, frage nach.
### 3. Kontext ermitteln
Extrahiere oder erfrage je nach Typ:
- **Datum** (falls nicht angegeben, nutze das heutige Datum und vermerke es)
- **Beteiligte Personen** (bei Meetings/1:1)
- **Thema / Projekt** (falls erkennbar)
- **Quelle** (bei Lesenotizen: Titel, Autor)
### 4. Zerlegung in atomare Gedanken
Zerlege den Input in einzelne, eigenständige Wissensstücke. Jeder Gedanke muss:
- **Ohne Kontext verständlich sein** — kein Vorwissen über das Ursprungsdokument nötig
- **Ein vollständiger Satz sein** — kein Stichpunkt, kein Kurztext
- **Kontext enthalten** — wer, wann, welches Thema/Projekt
- **Relevant sein** — Füllwörter, Smalltalk und Logistik weglassen
### 5. Typen-Klassifikation
Klassifiziere jeden Gedanken:
**Bei Gesprächsprotokollen:** Entscheidung · Aufgabe · Personennotiz · Erkenntnis · Offene Frage
**Bei Brain Dumps:** Idee · Aufgabe · Sorge/Spannung · Erkenntnis · Offene Frage
**Bei Lesenotizen:** Kernargument · Stützender Punkt · Zitat · Eigene Reaktion · Referenz
**Bei 1:1 / Coaching:** Personennotiz · Vereinbarung · Feedback · Erkenntnis · Offene Frage
**Bei Einzelgedanken:** direkt mit passender Klassifikation
### 6. Vorschau zeigen
Zeige alle transformierten Gedanken, gruppiert nach Typ, BEVOR du speicherst. Warte auf Bestätigung oder Korrekturen.
### 7. Speichern
Speichere jeden genehmigten Gedanken einzeln mit `capture_thought`. Bestätige danach mit Zusammenfassung.
## Leitplanken
- **Nie erfinden:** Keine Verantwortlichen, Daten oder Entscheidungen hinzudichten. Unklares kennzeichnen.
- **Namen und Daten bewahren:** Sie sind entscheidend für späteres Wiederfinden.
- **Richtung bei Feedback:** "Feedback an X" vs. "Feedback von X" klar unterscheiden.
- **Autor vs. eigene Meinung:** Bei Lesenotizen immer trennen.
- **Datenschutz:** Bei klinischen, therapeutischen oder vertraulichen Kontexten: Patienten-/Klientennamen und identifizierende Details nie speichern. Auf anonymisierte Beschreibungen reduzieren.
- **Bei 20+ Gedanken:** Warnung vor dem Speichern, Priorisierung anbieten.
- **Nie stillschweigend weglassen:** Wenn capture_thought fehlschlägt, sofort melden.
- **Duplikate zusammenführen:** Besonders bei Brain Dumps die gleiche Idee nicht mehrfach speichern.
Schritt 3 — Speichern unter dem richtigen Namen
Speichere die Datei als SKILL.md im Ordner ~/.claude/skills/open-brain-capture/
Tipp Mac
Der .claude-Ordner ist unsichtbar. Im Speichern-Dialog drücke ⌘+⇧+. (Punkt), um versteckte Ordner anzuzeigen.
Tipp Windows
Im Speichern-Dialog gib den Pfad direkt in die Adressleiste ein. Bei "Dateityp" wähle "Alle Dateien (*.*)", damit Notepad nicht heimlich .txt anhängt.
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Skill testen
Erkennt Claude den Skill? Funktioniert er? ~5 Min.
Starte Claude Code neu (oder einfach im Chat / tippen). Es sollte ein Menü erscheinen, in dem /open-brain-capture als Option auftaucht.
Tippe testweise:
/open-brain-capture
Heute im Seminar Statistik: Cohen's d ist ein Effektmaß für Mittelwertunterschiede. Bei d=0.2 spricht man von kleinen, bei d=0.5 von mittleren, bei d=0.8 von großen Effekten. Wichtig für meine Bachelorarbeit, die wahrscheinlich mit Effektmaßen arbeiten wird.
Claude wird die Notiz nach den Skill-Regeln verarbeiten: zerlegen, klassifizieren, dir eine Vorschau zeigen, und nach deiner Bestätigung in deinem Open Brain speichern.
Skill wird nicht gefunden?
Liegt die Datei am richtigen Ort? ~/.claude/skills/open-brain-capture/SKILL.md
Heißt die Datei exakt SKILL.md (Großbuchstaben, keine .txt-Endung)?
Beginnt der Inhalt mit --- (Frontmatter)?
Claude Code neu gestartet?
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Drei echte Captures, drei echte Suchen
Das ist der Aha-Moment. ~10 Min.
Wir machen jetzt das, was im Alltag der Normalfall sein wird: echte Gedanken aus deinem Studium speichern, und sie wiederfinden. Bitte keine Demo-Inhalte mehr — drei Dinge, die dir jetzt einfallen.
Aufgabe 1 — Drei Captures
Capture in Claude Code (entweder mit /open-brain-capture oder einfach formlos) drei Dinge. Mindestens eines pro Kategorie:
Eine Erinnerung aus einer aktuellen Vorlesung / einem Seminar (was war neu, was hat überrascht?)
Eine offene Frage, die du noch nicht beantwortet hast
Eine Verbindung zwischen zwei Themen oder Modulen, die dir aufgefallen ist
Aufgabe 2 — Drei Suchen
Stelle deinem Brain folgende drei Fragen — Claude wählt automatisch das richtige MCP-Werkzeug:
Was habe ich zu [Thema aus Capture 1] gespeichert?
Welche offenen Fragen sind im Brain?
Welche Verbindungen zwischen Modulen habe ich notiert?
Was du gerade erlebst
Das ist kein Suchmaschinen-Ergebnis. Dein Brain hat die Bedeutung verstanden — es findet auch dann den richtigen Gedanken, wenn dein Suchbegriff nicht wörtlich vorkommt. Genau das macht das System mächtig.
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Sprachmemos einspeisen — der wichtigste Kanal
Für Medizin, Zahnmedizin, Psychologie wird Sprache der Haupt-Capture-Kanal. ~15 Min.
Tippen ist im klinischen Alltag, im Praktikum, beim Lernen unterwegs unrealistisch. Sprechen ist es nicht. Drei Wege — wähle den, der zu deinem Setup passt.
Weg 1 · iOS Voice Memos mit Live-Transkript (am einfachsten)
Seit iOS 18 hat die Apple-eigene Voice-Memos-App ein automatisches Transkript eingebaut. Null Zusatz-Apps nötig.
Nach dem Stop: Wisch nach links auf der Aufnahme → "Transkript anzeigen"
Transkript markieren → kopieren
In Claude Code (oder Claude Desktop) einfügen → "Verarbeite das mit /open-brain-capture"
Weg 2 · AudioPen oder Wispr Flow (strukturierter Output)
Diese Apps machen aus eurem Sprechgewirr direkt strukturierten Text, nicht nur Roh-Transkript. Vorteil: weniger Nachbearbeitung. Nachteil: kostet etwas (5–15 €/Monat).
AudioPen — webbasiert, schnell, gibt fertige Mini-Texte
Wispr Flow — desktop-fokussiert, sehr genau, fügt Text direkt überall ein
Weg 3 · Whisper lokal (für Power-User und lange Aufnahmen)
Whisper läuft komplett lokal auf eurem Rechner — keine Cloud, kein API-Zugang nötig, kostenlos, beliebige Audio-Länge. Ideal für ganze Vorlesungen.
whisper "vorlesung.m4a" --language de --model medium --output_dir /tmp/whisper_output
Output: eine .txt-Datei. In Claude Code öffnen → mit /open-brain-capture verarbeiten.
Praxis-Übung jetzt
Nimm eine 30-Sekunden-Memo auf. Inhalt: "Was sind drei Sachen, die mir heute morgen durch den Kopf gegangen sind?" Überführ sie ins Brain — mit dem Weg deiner Wahl.
⚠️ Faustregel
Bei klinischen Aufnahmen (z.B. Famulatur-Tag) vor dem Capture transkribieren und Patientendaten entfernen. Niemals Roh-Aufnahmen mit echten Patientennamen ins Brain. Das gilt auch dann, wenn nur du Zugriff hast — siehe DSGVO-Pflichtblock.
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Claude Desktop als zweiten Kanal verbinden
Für den Alltag oft einfacher als Claude Code. ~3 Min.
Claude Code ist mächtig, aber für tägliches Capturen ist Claude Desktop (oder die mobile App) oft praktischer. Beide nutzen denselben MCP-Server — der ist ja schon online.
Öffne Claude Desktop (auf claude.ai/download)
Settings → Connectors
Klicke Add custom connector
Name: Open Brain
Remote MCP server URL: deine MCP Connection URL mit Key:
Achtung: hier wird der Key per URL-Parameter mitgegeben, nicht per Header.
Klicke Add
In einer neuen Conversation: + → Connectors → Open Brain aktivieren
Jetzt habt ihr zwei Kanäle: Claude Code (für lange Sessions am Laptop) und Claude Desktop (für schnelles Capturen unterwegs).
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Bonus-Skill — Briefing vor Begegnungen
Für Werkstudent:innen, Praktika, Lerngruppen, Mentoring. ~10 Min.
Du arbeitest mit denselben Personen wiederholt zusammen — Lerngruppen-Partner:innen, Doktor-Eltern, Praktikums-Betreuer:innen, Werkstudenten-Chef:in. Du willst vor jedem nächsten Treffen einen 30-Sekunden-Überblick haben: Was waren die letzten Gespräche, was ist offen, was sollte ich erwähnen?
Genau das macht dieser zweite Skill — kopierfertig zum Einrichten.
In dem neuen Ordner eine Datei SKILL.md mit folgendem Inhalt:
---
name: brief-on-person
description: Bereitet ein Briefing zur nächsten Begegnung mit einer Person vor. Nutze diesen Skill, wenn der Nutzer vor einem Treffen, Telefonat oder einer Mail einen Überblick zu den letzten Gesprächen, offenen Themen, Todos und persönlichem Kontext haben möchte.
argument-hint: "[Name der Person]"
---
# Brief on Person
## Rolle
Du bist der Briefing-Assistent für mein Open Brain. Du synthetisierst alle relevanten Gedanken zu einer Person zu einer kompakten Vorbereitung für die nächste Begegnung.
## Ablauf
### 1. Person bestätigen
Wenn der Name nicht eindeutig ist, frage nach (z.B. "Anna" → "Anna Müller oder Anna Schmidt?").
### 2. Brain durchsuchen
- `search_thoughts` mit dem Namen der Person, niedriger Threshold (0.4), um alle Erwähnungen zu erfassen
- `list_thoughts` mit Filter auf metadata.people, sortiert nach Datum absteigend
### 3. Synthese in 5 Abschnitten
**Letzte Begegnungen** (chronologisch, max. 3)
- Datum, Format, Hauptthemen jedes Gesprächs in 1–2 Sätzen
**Offene Todos**
- Bei mir: was habe ich zugesagt, das noch nicht erledigt ist
- Bei der Person: was hat sie zugesagt, das ich noch erwarte
**Offene Fragen**
- Was ist aus früheren Gesprächen ungeklärt geblieben
**Persönlicher Kontext**
- Familie, Lebenssituation, Stresslagen, Wechsel — alles, was ich erwähnen oder bewusst vermeiden sollte
- Nur was tatsächlich gespeichert ist, nicht raten
**Tracking-Punkte**
- Was hat die Person zuletzt versprochen oder angedeutet, das ich beim nächsten Mal ansprechen sollte
### 4. Ende
Frage: "Möchtest du vor dem Treffen noch etwas capturen, das ich übersehen haben könnte?"
## Leitplanken
- **Nie erfinden:** wenn etwas nicht gespeichert ist, sag das offen ("Keine Notizen zu offenen Fragen vorhanden")
- **Bei Konflikten:** beide Quellen nennen, nicht entscheiden
- **Datenschutz:** Persönliche Details nicht in geteilten Kontexten zeigen
- **DSGVO/Schweigepflicht:** Bei klinischen/therapeutischen Kontakten gilt §203 StGB — Patientennamen und identifizierende Details gehören nicht ins Brain. Dieser Skill briefet nur über Personen, mit denen du in einem normalen kollegialen/persönlichen Verhältnis stehst.
Im Alltag verwenden
Vor jedem nächsten Treffen, in Claude Code:
/brief-on-person Anna Müller
Claude geht über MCP durch dein Brain, synthetisiert, präsentiert in 30 Sekunden. Wenn euer Brain noch leer ist: dieser Skill wird mit der Zeit immer wertvoller, je mehr ihr capturet.
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Tägliche und wöchentliche Routine
Ohne Routine wird das System in zwei Wochen tot sein. ~5 Min.
Memory lohnt sich nur, wenn sie gelesen wird. Zwei Pflicht-Routinen, eine optionale.
Täglich · 5 Minuten · abends
Drei Sätze: "Was habe ich heute gelernt?"
Eine Verständnislücke: "Ich habe nicht verstanden, warum…"
Optional: eine spontane Verbindung zwischen zwei Themen
Wöchentlich · 15 Minuten · sonntags
Frage dein Brain in Claude Desktop oder Claude Code:
Was waren meine wichtigsten Captures diese Woche?
Welche offenen Fragen habe ich diese Woche notiert, die ich noch nicht beantwortet habe?
Dann eine Wochenreflexion als eigenen Gedanken capturen.
Optional vor Klausuren
Lass Claude aus deinen eigenen Notizen Quiz-Fragen generieren:
Generiere mir 10 Quiz-Fragen aus meinen Notizen zu [Thema X].
Antworten aus dem Kopf schreiben, dann mit den Notizen abgleichen. Das ist DIY Retrieval Practice — ergänzt Anki, ersetzt es nicht.
Jetzt: Routine-Commitment
Notiere konkret: Wann und wo wirst du die tägliche Routine machen? (z.B. "Abends nach dem Zähneputzen, 5 Min, in Claude Desktop am Laptop.") Schreib's dir in den Kalender. Such dir im Workshop eine Partner:in, die dich nach einer Woche fragt, ob es noch läuft.
A
Fehlersuche
Die häufigsten Probleme und ihre Lösung.
"Permission denied for table thoughts"
Schritt 5.5 wurde übersprungen. Im SQL Editor den GRANT-Befehl ausführen.
401-Fehler beim Verbinden
Der Access Key stimmt nicht überein. Prüfen, ob der Key im claude mcp add-Befehl exakt mit dem in supabase secrets set übereinstimmt.
Claude Code findet die Open Brain Tools nicht
Mit claude mcp list prüfen, ob open-brain aufgelistet ist. Falls nicht: claude mcp add-Befehl erneut ausführen.
Suche findet nichts
Habt ihr schon Gedanken gespeichert? Versucht eine breitere Suche oder fragt Claude, mit einem niedrigeren Schwellenwert zu suchen (z.B. 0.3).
Edge Function antwortet langsam
Der erste Aufruf nach einer Pause dauert einige Sekunden — die Funktion wird "aufgeweckt" (Cold Start). Danach geht es schneller.
Open Brain speichert nur Text. Für Fotos (z.B. Whiteboard-Aufnahme): Foto an Claude geben, Claude bitten zu transkribieren, dann den Text speichern. Es gibt keinen direkten Datei-Upload.
G
Glossar
Die wichtigsten Begriffe, kurz erklärt.
API
Application Programming Interface — eine Schnittstelle, über die Programme miteinander kommunizieren.
API Key
Schlüssel-String, der euch gegenüber einer API identifiziert. Wie ein Passwort.
CLI
Command Line Interface — Programm, das über die Kommandozeile bedient wird.
Cosinus-Ähnlichkeit
Maß dafür, wie ähnlich zwei Vektoren sind. 1.0 = identisch, 0.0 = kein Zusammenhang.
Edge Function
Kleines Programm, das direkt auf dem Server des Anbieters läuft (bei uns: Supabase).
Embedding
Mathematische Darstellung der Bedeutung eines Textes als Vektor.
HNSW-Index
Algorithmus, der Vektorsuche beschleunigt.
LLM
Large Language Model — großes Sprachmodell wie Claude oder ChatGPT.
MCP
Model Context Protocol — offener Standard für KI-Werkzeug-Zugriff. "USB für KI-Tools".
pgvector
PostgreSQL-Erweiterung für Vektorsuchen.
RAG
Retrieval-Augmented Generation — KI ruft relevante Daten ab und nutzt sie für die Antwort.
RLS
Row Level Security — kontrolliert Zugriff auf Datenbankzeilen.
Secrets
Geheime Umgebungsvariablen, sicher auf dem Server gespeichert.
Semantische Suche
Suche nach Bedeutung statt nach Stichworten.
Supabase
Open-Source-Backend mit PostgreSQL, Authentifizierung, Edge Functions.
Vektor
Geordnete Liste von Zahlen, die Bedeutung als Position im Raum repräsentiert.
→
Wie geht es weiter?
Nach dem Workshop. Drei Richtungen.
Brain füllen
Memory Migration: Lass Claude alles, was es schon über dich weiß, in dein Brain exportieren (Companion Prompt im OB1-Projekt)
Bestehende Notizen: Obsidian, Notion oder andere Apps — es gibt Import-Rezepte im OB1-Projekt
Wöchentliche Review: 15 Min jeden Sonntag — was war wichtig, was fehlt noch?
Mehr Skills
Das OB1-Projekt bietet über ein Dutzend fertige Skills:
Meeting Synthesis — speziell für Meetings optimiert
Research Synthesis — Quellenauswertung mit Vertrauensmarkierungen
Panning for Gold — wertet Brain Dumps und Transkripte nach Ideen aus
Heavy File Ingestion — verarbeitet PDFs und Tabellen
Collective Brain (später)
Für Lerngruppen und Projektteams: Open Brain lässt sich von einer persönlichen zu einer geteilten Wissensbasis erweitern. Mehrere Personen speichern Gedanken in dieselbe Datenbank — alle profitieren vom kollektiven Wissen. Das ist die Richtung, in die der Stufu-Kurs perspektivisch geht.
Dieser Leitfaden ist eine Adaption mit Claude Code als Eingabekanal, einem eigenen Capture-Skill, einem Briefing-Skill für persönliche Begegnungen, und einem DSGVO-Pflichtblock für klinische und therapeutische Studiengänge.
Workshop-Kontext: Stufu-Seminar an der Universität Witten/Herdecke, Mai 2026. Erweitert für Studierende der Medizin, Zahnmedizin, Psychologie und Wirtschaft.